Telefonsex mit Cam
Definition
Telefonsex mit Cam soll wie Geschlechtsverkehr bzw. der Austausch von Zärtlichkeiten zur Befriedigung sexueller und erotischer Fantasien beitragen. Telefonsex findet in der Regel zu zweit statt und wird mithilfe des Mediums Telefon vollzogen. Der Verbalaustausch zwischen den Gesprächspartnern dient der eigenen und fremden Luststeigerung. Während des Gespräches befriedigen sich die Personen selbst.Telefonsex mit Cam im privaten Rahmen
Das primäre Ziel von Telefonsex ist die Selbstbefriedigung. Beim Telefonsex wird eine auditive Verbindung zwischen zwei Personen hergestellt, die keine direkte körperliche Beziehung zueinander pflegen, aber sich gegenseitig zu sexueller Lust und Vergnügen verhelfen. Während des Telefonsexes werden sexuelle Fantasien, Wünsche, Träume, etc. ausgetauscht, was maßgeblich zu einer spannungsgeladenen Stimmung beiträgt.Vorzüge des Telefonsex
- Paare, die aufgrund weit entfernter Arbeitsplätze, gezwungen werden eine Fernbeziehung zu führen, entdecken oftmals erst durch diese Notlage die Freude am Telefonsex. Die Partner greifen nicht auf eine dritte – der Beziehung fremde – Person zurück, sondern praktizieren Telefonsex mit ihrem festen Partner.
- Menschen, die sehr schüchtern sind oder unter Berühungsängsten leiden, können dank des Telefonsexes ihre erotischen Fantasien befriedigen und halten trotz allem eine räumliche Distanz zum Sexualpartner.
- Menschen, die in einer glücklichen Beziehung leben, haben oftmals nicht das Bedürfnis nach Telefonsex. Dennoch kann Telefonsex Schwung und neue Ideen in eine Beziehung bringen. Um Routine und Langeweile vorzubeugen, sollten Partner für alles offen sein.
Telefonsex mit Cam im kommerziellen Rahmen
Menschen, die an kommerziellem Telefonsex teilnehmen, sind häufig besorgt, dass sie dabei nicht anonym bleiben. Diese Angst ist jedoch unbegründet, da die Anbieter darum bemüht sind, ihre Kunden zu schützen. Die beim Telefonsex anfallenden Kosten werden meistens von den Männern getragen. Die Männer müssen zur Kontaktaufnahme eine kostenpflichtige 09005-Telefonnummer wählen. Die bis ins Jahr 2006 geltenden Nummern wurden von der Bundesnetzagentur deaktiviert. Die Preise für Telefonsex belaufen sich in der Regel von 12 Cent / Minute bis zu 2 Euro / min, was den Maximalbetrag darstellt. Die größte Anzahl der Anbieter verlangt von seinen Kunden ca. 2 Euro. Frauen, die Interesse am Telefonsex haben, fahren immer günstiger. Es reicht meistens aus eine kostenlose 0800-Rufnummer zu wählen. Da oft akuter Frauenmangel bei den Anbietern herrscht, wird manchmal auch auf authentische Gespräche verzichtet und besprochene Tonbänder ersetzen echte Frauenstimmen.Die Nachfrage nach Telefonsex mit Cam oder Bild ist gross. Wer aufmerksam die Werbespots nach Mitternacht auf den deutschen Privatsendern anschaut, wird ein überraschend breites Angebot entdecken. Die Anbieter sind darum bemüht, die Hemmschwelle der Anrufer abzubauen und zeigen somit in diesen Vorspännen, was im möglichen Telefonsex auf die Kunden zukommt. Die Anrufer können in der Regel mitbestimmen, ob sie mit einer älteren Dame, einer (scheinbaren) Studentin, einer (scheinbaren) Ehefrau, einer jungen Frau, etc. in Kontakt treten oder ob das Gespräch eher einer Orgie, SM oder Gay-Sex ähneln wird. Vanity-Nummern sind spezielle Rufnummern, die von den Anbietern angeboten werden und stellen eine Gesprächsverbindung mit dem gewünschten Sexualpartner her (jung, alt, heterosexuell, homosexuell). Prinzipiell gilt für jede Art des Telefonsexes, dass nicht alle Kundenwünsche erfüllt werden. Es kommt durchaus vor, dass Kunden von ihrer Telefonpartnerin Perversitäten verlangen, die deren Schmerzgrenze überschreiten. Auch in Telefonsex-Orgien können ausgefallene sexuelle Begierden abgelehnt werden. Des Weiteren müssen sich alle Teilnehmer von telefonischen Sexorgien bewusst sein, dass sie von den anderen Telefonteilnehmern belauscht werden können. Auch kann nicht ausgeschlossen werden, dass man mit Telefonpartnern in Kontakt kommt, die man zufällig aus dem Alltagsleben kennt. Solche Zufälle sind zwar extrem selten, dennoch können sie nicht bedingungslos ausgeschlossen werden. Teilnehmern des Telefonsexes wird daher empfohlen, mögliche charakteristische Geräusche zu vermeiden, welche die eigene Identifizierung erleichtern könnten. Dazu zählen auch Hintergrundsgeräusche wie Uhren, Musik, Kirchenglocken, Straßenbahn, etc.
Die rechtliche Lage des Telefonsexes
In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Anbietern von Telefonsex, der Deutschen Telekom und dem Landgericht. Dabei steht immer die Frage im Mittelpunkt, inwiefern Telefonsex mit Cam oder Bild moralisch verwerflich und zu verbieten sei. Die Deutsche Telekom hat bereits mehrere Male Gebühren von Telefonsexanbietern gefordert, welche jedoch vom deutschen Bundesgerichtshof abgelehnt wurden. Die Gesetzsprechung vom 22. November 2001 (III ZR 5/01) legt fest, dass das Telefonnetz wertneutral sei und dass die Deutsche Telekom nicht für unmoralische Telefongespräche von potentiellen Telefonsexanbietern verantwortlich gemacht werden darf. Personen, welche Telefonsex betreiben, müssen für angefallene Rechnungen aufkommen, auch wenn sie sich betrogen fühlen. Rechnungen über kostspielige Mehrwertnummern müssen auf alle Fälle beglichen werden, da eine Dienstleistung vom Kunden in Anspruch genommen worden ist, worauf der Netzbetreiber keinen Einfluss habe. Den Netzbetreibern ist es weitgehend egal, mit welchem Motiv Mehrwertnummern genutzt werden. Sie kontrollieren die Gespräche nicht und wollen mit den Inhalten der Gespräche auch nicht in Verbindung gebracht werden. Die Netzbetreiber sehen ihre Verantwortlichkeit in der qualitativ guten Durchführung der Dienstleistung, nicht aber in der moralischen Verantwortung.Der Gerichtshof in Österreich tagte ebenfalls über die Frage nach moralischer Vertretbarkeit von Telefonsexanbietern. Das jüngste Urteil legt fest, dass es keinen Unterschied gebe zwischen erotischen Bandaufnahmen, die beim Telefonsex abgespielt werden und gekauften Pornofilmen und Pornoheften. Alle genannten Möglichkeiten zur sexuellen Befriedigung wurden als moralisch vertretbar eingestuft. Ebenso fiel das Urteil gnädig in Hinblick auf Live-Telefonsex und Echtzeittelefonate aus. Der österreichische Gerichtshof stuft Telefonsex als nicht sittenwidrig ein, da die Sexualpartner lediglich in akustischen Kontakt treten und eine physische Distanz gewahrt bleibe. Die Sprecher des Gerichtshofes untermalen, dass die angestellten Telefonsex-Damen kein wirkliches Interesse am Sexualkontakt hätten und lediglich ihre Arbeit ausübten, für die sie bezahlt würden. Es wurde rechtlich festgelegt, dass Telefonsex nichts mit Prostitution zu tun habe und die Telefonpartner sich in keiner Weise prostituierten.
Klatsch und Tratsch zum Thema Telefonsex mit Webcam oder Bild
Die Spekulationen um die potentiellen Telefonsex-Kunden sind heiß beliebt. Die beliebteste Hypothese lautet, dass am Telefonsex vor allem Männer interessiert seien, die im realen Leben Probleme im Umgang mit Frauen hätten oder deren exotische sexuellen Wünsche von den sie umgebenden Frauen nicht befriedigt werden.Laut Statistiken aus dem Jahre 2000 bedienen sich täglich in Deutschland 30.000 Menschen des Telefonsexes. Sibylle Fritsch und Axel Wolf haben eine umfassende Studie zum Thema Telefonsex im Jahr 2000 unter dem Titel „Der schwierige Umgang mit der Lust. Auf der Suche nach dem richtigen Maß“ veröffentlicht. Aktuellen Schätzungen zufolge werden täglich in der Bundesrepublik weitaus mehr als 30.000 Sextelefonate geführt, da auch in zahlreichen festen Beziehungen der Telefonsex zum Bestandteil des Alltags geworden ist.
Das Thema Telefonsex hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Psychologen, Autoren und Wissenschaftler inspiriert. Nicole Kuhlert ermöglicht den Lesern ihres Buches „Die Nummer mit der Nummer – Mein Leben mit der Hotline“, das Leben einer Angestellten bei einem Telefonsexunternehmen besser kennenzulernen. Das Buch ist im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen.
Sabine Mooren ist Wissenschafterin und hat das Thema Telefonsex von der wissenschaftlichen Seite her aufgerollt. Ihr Buch – veröffentlich durch die telepublic Verlagsgesellschaft – heißt „Telefonsex – Erotisches Hörspiel oder Partnerersatz“– ist für Leser jeder Altersklasse äußerst interessant und aufschlussreich.
